Wo das Feuer die Küche heizt und die Hütte warm hält.
Das Cabanotel Ferpècle — ein Berghotel, das sich selbst versorgt. Mit dem Windhager VestoWIN im Herzen.
Wo die Strasse endet und das Tal beginnt.
Das Ferpècle-Tal im Walliser Val d'Hérens ist kein Ort für Eilige. Wer hierher kommt — ob mit dem Auto über die kurvenreiche Talstrasse oder mit dem Postbus ab Sion, der zwischen Juni und September fährt — erlebt die Anreise als erste Entschleunigung. Jede Kurve enthüllt ein neues Panorama: traditionelle Steinhäuser, Lärchenwald, Felsrippen, und über allem die weiss leuchtenden Grate der Penninischen Alpen. Dann endet die Strasse. Das Tal macht seinen Namen wörtlich: Es endet.
Auf 1800 Metern Höhe, im hintersten Winkel dieses Talschlusses, steht das Cabanotel. Ein ehemaliges Berghotel aus dem 19. Jahrhundert, sorgfältig renoviert, heute betrieben unter dem Dach von Anakolodge. Zehn Zimmer, ein Schlafsaal für sechs Personen, ein Restaurant, eine Sauna aus Lärchenholz, ein Floatingbad — und kein Gasanschluss, keine Fernwärme. Nur Berge. Und die eigene Anlage.
Für uns bei Windhager war schon beim ersten Besuch klar: Hier geht es nicht um Heizung. Hier geht es um Haltung.
Der Mann hinter dem Projekt: Olivier Cheseaux
Wer das Cabanotel verstehen will, muss zuerst seinen Architekten verstehen. Olivier Cheseaux ist kein gewöhnlicher Planer. Der in Sion beheimatete Architekt HES SIA hat sich seit der Gründung seines Büros anako'architecture im Jahr 2005 auf etwas spezialisiert, das die meisten seiner Kollegen kaum auf dem Radar haben: die Rettung und Transformation des alpinen Bauernbaus. Aus verfallenen Ställen, Scheunen und Maiensässen macht Olivier Räume, die weder museale Kopien noch beliebige Neubauten sind. Seine Philosophie — zusammengefasst unter dem Namen «Anako», nach einem alten indianischen Schamanen, der im Einklang mit der Natur lebte — lautet: Den Ort respektieren, schonen, bewahren. Und gleichzeitig mit modernster Technik ausstatten. 2022 bot sich eine unerwartete Gelegenheit: Die Familie Fauchère, seit Generationen Eigentümerin des historischen Hôtel du Col d'Hérens in Ferpècle — 1876 erbaut, auf der Liste der historischen Walliser Hotels — wollte das Gebäude verkaufen. Die damalige Eigentümerin sah zufällig einen Bericht über Oliviers Arbeit. Und entschied: Der ist es.
Von April 2023 bis Mai 2025 baute Olivier das Gebäude von Grund auf um. Bevor ein einziges neues Element eingebaut wurde, wurden die über 170 Jahre alten Lärchenelemente sorgfältig ausgebaut, nummeriert, gelagert und später wieder verwendet. Das Holz lebt heute in Böden, Wandverkleidungen und Möbeln weiter. Das neue Tragwerk besteht aus Weisstanne aus dem Wallis — konsequenter Kurzkreislauf, von der Forst bis zur Schalung.
Ein Gebäude mit Charakter — und einem klaren Energiebekenntnis
Das Cabanotel ist nicht ans Gasnetz angeschlossen, es gibt keine Fernwärme. Strom kommt von der Sonne. Wärme und Warmwasser kommen aus Holz und ebenfalls aus der Sonne. Und alles läuft zusammen in einem Technikraum im Keller, der einem modernen Energiezentrum würdig wäre. Die Lärchendielen knarren beim Betreten, die Wände atmen. Olivier hat das nicht übertüncht, sondern betont — authentische Materialien, historische Substanz, sorgfältig ergänzt, nie ersetzt. Küchenchef Matthias Staub und seine Partnerin Olivia Campanico kochen langsam, regional, saisonal. In der Gaststube gibt es WLAN — das Haus lädt dazu ein, das Telefon danach wieder in der Tasche zu lassen.
Der VestoWIN: Wenn Herd und Heizung eins werden
Wer den Windhager VestoWIN zum ersten Mal sieht, fragt sich vielleicht: Warum hat ein Küchenherd so viele Rohranschlüsse? Die Antwort ist einfach, aber technisch elegant: weil er beides ist. Der VestoWIN ist ein Zentralheizungs-Kochherd. Er verbrennt Scheitholz — regionale Weisstanne und Lärche aus dem Val d'Hérens — und verteilt die Wärme auf zwei Ebenen gleichzeitig: einen Teil als Strahlungswärme in den Küchenraum, den grösseren Teil ans Heizungswasser und damit ins gesamte Gebäude.
Gesamte Nennleistung: 17–21,5 kW. Davon fliessen rund 12–13 kW ins Heizungswasser und 4,5–7 kW in die Raumwärme. Das reicht aus, um auf 1800 Metern Höhe zehn Zimmer und alle Servicebereiche warmzuhalten — selbst wenn draussen Frost herrscht und der Wind vom Ferpècle-Gletscher pfeift. Der patentierte Brennstoff-Sparschieber reguliert die Verbrennung präzise, der Feuerungsregler sorgt für effizienten und sauberen Abbrand. Die Anheizunterstützung bringt den Herd rasch auf Betriebstemperatur. Optional ist der VestoWIN mit Ceranfeld und Backrohr erhältlich — alles mit der Energie, die ohnehin für die Heizung erzeugt wird.
Technische Eckdaten VestoWIN
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Hersteller | Windhager Zentralheizung, Made in Austria seit 1921 |
| Modell | VestoWIN (Klassik / Premium) |
| Nennleistung gesamt | 17 – 21,5 kW |
| Leistung ans Heizwasser | 12 – 17 kW |
| Leistung Raumwärme | 4,5 – 7 kW |
| Brennstoff | Scheitholz 1/3 m, Restholz, Briketts |
| Füllraum | 33 – 40 dm³ (ca. 7–8 kg Hartholz) |
| Kesselwasserinhalt | ca. 15 Liter |
| Rauchabzug | Ø 130 – 150 mm |
| Normenprüfung | EN 12815, CE-Kennzeichnung |
| Garantie | bis zu 5 Jahre Vollgarantie |
Das Gesamtsystem: Drei Energiequellen, drei Speicher, ein Keller voller Moderne
1. Der VestoWIN — Holzwärme für Heizung und Küche: Er liefert die Grundlast: Warmwasser für die Heizkreise, Wärme für den Küchenraum, und direkt den Herd für den Koch.
2. Solarthermie — die Sonne heizt das Wasser: Solarthermische Kollektoren auf dem Garagendach wandeln die Sonnenstrahlung direkt in Wärme um. Ein Absorber unter Glas erwärmt einen Wärmeträger, der diese Energie über einen Wärmetauscher ins Brauchwasser oder den Heizkreis abgibt. Thermisch werden bis zu 80 Prozent der eingestrahlten Sonnenenergie genutzt — weit mehr als bei Photovoltaik. Im Cabanotel übernimmt die Solarthermie vor allem die Brauchwasservorwärmung und entlastet den VestoWIN in den Übergangsmonaten.
3. Photovoltaik — die Sonne produziert Strom: Die Photovoltaikanlage wandelt Sonnenenergie in elektrischen Strom um. Dieser versorgt Beleuchtung, Heizkreispumpen, Steuerungselektronik, Kühlgeräte, Floatingbad, WLAN und alle weiteren Verbraucher des Hotelbetriebs.
Im Keller stehen drei grossvolumige Pufferspeicher mit je 800 Litern Fassungsvermögen — zusammen 2400 Liter thermisches Speichervolumen. Diese Tanks sind das Gedächtnis des Energiesystems. Morgens erzeugt der VestoWIN mehr Wärme als benötigt: der Überschuss fliesst in die Speicher. Mittags tut die Solarthermie dasselbe. Abends, wenn Gäste duschen, die Sauna läuft und das Restaurant auf Hochtouren ist, zieht das System die gespeicherte Wärme aus den Tanks — ohne dass in diesem Moment Holz nachgelegt werden müsste. Eine moderne Regelungselektronik im Keller koordiniert die drei Quellen vollautomatisch, transparent überwacht und fernzugänglich für Wartung und Optimierung. Das Ergebnis: Die Zimmer sind warm, das Wasser heiss, der Betrieb läuft.
Der nächste Schritt: Weg vom Stromnetz
Das Cabanotel ist heute energetisch autark in Bezug auf Wärme. Beim Strom ist das Gebäude nach wie vor ans öffentliche Netz angeschlossen — bewusst, als verlässliche Rückfallebene für Spitzenlasten, schlechte Wetterphasen oder unvorhergesehene Ausfälle. Dieser Anschluss ist kein Konstruktionsfehler, sondern eine pragmatische Entscheidung: Auf 1800 Metern Höhe, fernab jeder schnellen Servicemöglichkeit, ist Betriebssicherheit für die Gäste oberstes Gebot. Die nächste grosse Ambition von Olivier Cheseaux und seinem Team ist dennoch die vollständige Autarkie vom Stromnetz. Die Photovoltaikanlage soll mit einem Lithium-Batteriespeicher kombiniert und so dimensioniert werden, dass das Cabanotel auch bei schwachem Sonnenschein, in der Nacht und bei erhöhtem Verbrauch unabhängig bleibt — und der heutige Netzanschluss zur reinen Reserve wird oder ganz entfällt. Eine intelligente Laststeuerung wird grosse Verbraucher wie Sauna oder Floatingbad bevorzugt in Zeiten hoher Solarproduktion betreiben. Ist dieses Ziel erreicht, wäre das Cabanotel Ferpècle eines der wenigen Berghotels der Schweiz, das wirklich in jeder Hinsicht von der Umgebung lebt — von deren Wald, deren Wasser und deren Sonne.
Gastfreundschaft, die man spürt
Im Cabanotel ist die Heizung sichtbar. Der VestoWIN steht in der Küche, offen und selbstverständlich. Matthias Staub kocht davor und damit. Das Feuer wärmt den Raum, kocht das Essen und heizt die Zimmer — und alle wissen das. Das ist, finden wir bei Windhager, genau der richtige Umgang mit einem Produkt, das seit 1921 nach einem einzigen Prinzip gebaut wird: Holz vollständig und sauber verbrennen, die Energie vollständig nutzen, ein Gerät für mehrere Aufgaben.
Das Cabanotel zeigt, dass dieser Ansatz auf 1800 Metern genauso funktioniert wie im Flachland — vielleicht sogar besser. Denn hier, wo jede Kilowattstunde zählt, entfaltet ein Gerät wie der VestoWIN seinen ganzen Wert. Nicht weil er besonders kompliziert ist. Sondern weil er besonders konsequent ist.
Ein Ort, der inspiriert: die Künstlerresidenz
Das Cabanotel ist mehr als Hotel und Restaurant. Ab Frühling 2026 öffnet es seine Türen für eine Künstlerresidenz — mitten im laufenden Betrieb, mitten im Alltag der Gäste. Schweizer Kunstschaffende arbeiten hier für einige Wochen auf 1800 Metern: mit eigenem Atelier, mit dem Berg vor dem Fenster, mit der Stille des Tals und dem Holzfeuer im Rücken. Keine abgeschottete Residenz hinter geschlossenen Türen — sondern Kunst als lebendiger Teil des Hauses. Gäste begegnen dem Entstehungsprozess. Das Cabanotel wird zur Bühne, ohne eine zu sein. Inhaltlich sucht die Residenz Projekte, die fragen, wie ein Leben in Einklang mit alpinen Landschaften aussehen kann. Dieselbe Frage, die das Energiekonzept des Hauses auf technischer Ebene beantwortet. Zufall ist das keiner.
Ein Ort, der bleibt
Das Cabanotel Ferpècle wird nicht für alle sein. Wer eine Tiefgarage, Roomservice und lückenloses WLAN in jedem Zimmer sucht, ist hier falsch. In der Gaststube gibt es einen Internetzugang — das Haus lädt dazu ein, das Telefon danach in der Tasche zu lassen. Wer aber bereit ist, auf dem Balkon zu stehen und dem Ferpècle-Gletscher zuzuschauen, der erfährt etwas über das Reisen und das Wohnen, das in der Hektik der gewöhnlichen Bergsaison längst vergessen gegangen ist. Und wer abends im Refektorium sitzt, ein Glas Walliser Wein in der Hand, und merkt, dass die Wärme aus dem Holzofen kommt, der seit Stunden auch das Essen zubereitet und die drei Speicher im Keller mit 2400 Litern warmer Energie gefüllt hat — der versteht, warum manche Lösungen genau dann am klügsten sind, wenn sie am einfachsten aussehen.
Windhager Zentralheizung, gegründet 1921 in Österreich, ist einer der führenden europäischen Hersteller von Biomasse-Heizsystemen. Der VestoWIN ist als Klassik- und Premium-Variante erhältlich. Windhager Schweiz: www.windhager.com/de-ch
Das Cabanotel in Ferpècle, Val d'Hérens, Wallis, öffnet saisonal ab Mai. www.anakolodge.ch — Architekt: Olivier Cheseaux, anako'architecture / cheseauxrey associés SA, Sion.