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Heizungstausch: Hackgutheizung ersetzt fossile Energie

 

Ein Hotelbesitzer und Landwirt macht die Energiewende

Als am Schalchen Hof in Gstadt am Chiemsee die alte Ölheizung ausgedient hatte, gab es für Betreiber Jakob Bichler nur eines: Eine mit regenerativem Brennstoff arbeitende Hackgutheizung musste her. Die Wahl dieses Energieträgers aus dem eigenen Forst macht Bichler quasi autark.

Das Holz steht im Mittelpunkt

Der Schalchen Hof „Schoiner“ in Gstadt am Chiemsee ist ein traditionsreiches Hotel mit herrlichem Seeblick. Die Wurzeln der Anlage lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Angeschlossen sind eine Land- und Forstwirtschaft, auch ein Campingplatz gehört dazu. Inhaber Jakob Bichler und seine Frau Mona führen Haus und Hof als Familienbetrieb in dritter Generation. Bichler ist ein Multitalent. Er ist ebenso selbstverständlich im Trachtenjanker an der Rezeption anzutreffen wie in Schnittschutzhose mit der Kettensäge zur Baumpflege im Wald oder auf dem Traktor bei der Bestellung der 30 ha großen Ackerbaufläche. Und wenn die Ortsfeuerwehr ruft, ist er auch dort zur Stelle.

Eines liegt dem technisch interessierten Bayern Bichler besonders am Herzen: Die umweltverträgliche Bewirtschaftung des gesamten Betriebs. Deshalb beziehen Bichlers unter anderem die Zutaten für die in der Hotelgastronomie servierten Gerichte überwiegend von regionalen Anbietern und praktizieren Abfallvermeidung. Den Eigenstrombedarf decken Fotovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 140 kW Peak und Batteriespeicher mit 45 kWh zu 95 Prozent, und Jakob Bichler denkt sogar noch über eine Erweiterung nach.

Bei dem 2.600 qm großen Hotelgebäude und einem 400 qm großen Nebenwohngebäude ist über den Strombedarf hinaus allerdings auch ein beachtlicher Wärmebedarf gegeben, der sich nicht komplett verhindern lässt. Er wurde bislang durch eine Ölheizung und einen Gasheizkessel sowie durch Solarthermie gedeckt. Um auch hier nachhaltig und zukunftsfähig zu werden, hatte eine umfassende Modernisierung der Wärmeerzeugung für Jakob Bichler oberste Priorität. Vor der Wahl einer neuen Heizungsanlage hatte er sich über einen längeren Zeitraum gründlich nach den besten Möglichkeiten erkundigt. Um so eindeutiger fiel danach die Entscheidung für eine Hackgutheizung von Windhager aus – dies nicht zuletzt deshalb, weil auch einer der Nachbarn von ausschließlich guten Erfahrungen mit einer Anlage des österreichischen Herstellers berichten konnte.

Zum Einsatz kamen zwei PuroWIN-Heizkessel mit jeweils 100 kW Nennwärmeleistung. Der Kesseltyp besticht durch intelligente, sichere und hoch effiziente Holzvergaser-Technologie, die die Staubfracht im Abgas minimiert. Die patentierte Gegenstromvergasung macht sich die Filterwirkung des Brennstoffes zunutze: Zuerst wird der Brennraum mit Hackgut gefüllt. Im untersten Teil entsteht nach der Zündung ein Glutbett. Durch die Hitze verkohlt das darüber liegende Hackgut. Diese Schicht wirkt wie ein Aktivkohlefilter. Aus dem Glutbett steigt das Holzgas auf und wandert durch die Kohle und das unverbrannte Hackgut. Der Feinstaub wird dabei gefiltert. Erst oberhalb des Hackguts erfolgt dann die Verbrennung des Holzgases. Dieses System, das in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut BIOS Bioenergiesysteme entwickelt wurde, sorgt für extrem niedrige Emissionswerte, die kaum noch messbar sind.

Der PuroWIN ist zudem die erste Hackgutheizung, die Hackschnitzel serienreif in den 270 l fassenden robusten Edelstahl-Vorratsbehälter einsaugen kann. Wahlweise ist der Kessel aber auch mit einer direkten Schneckenförderung erhältlich, wie im Objekt Bichler. Die PuroWIN-Kessel sind bis zu einer Gesamtleistung von 400 kW kaskadierbar.

Bei der Anlage am Schalchen Hof kamen eine Regelung MS Infinity 5 x, ferner eine Kessel-Bedieneinheit InfoWIN Touch nebst Regelungsapp myComfort, zwei Schnecken-Fördersysteme, zwei Ascheboxen sowie zwei AccuWIN-Pufferspeicher mit jeweils 3.000 Litern Fassungsvermögen zum Einsatz. Die Abgase werden durch eine zweiflutige Abgasanlage mit 7,5 Metern Länge von Raab-Eiselfing abgeführt, zwei Upmann-Zugregler Z4 halten den Schornsteinzug konstant. Die Hydraulik arbeitet nach dem Tichelmann-System. Durch Frequenzrichter können die Heizkessel verschleißarm angefahren werden.

Die Umweltbilanz des regenerativen Hackguts wird bei Bichler noch mal besser, da er die Anlage mit anderweitig nicht nutzbarem Restholz und Windbruch aus dem eigenen Forst beschickt. „Mein Ziel war, auch beim Heizen unabhängiger, wirtschaftlicher und ressourcenschonender zu werden und möglichst im Rohstoffkreislauf zu bleiben,“ sagt Jakob Bichler, „wir können unser Holz ohnehin nicht kostendeckend verkaufen, aber so nutzt es uns als Energieträger. Im Regelfall lassen wir es zwei Jahre trocknen. Falls wir das Holz jedoch schnell aus dem Wald holen müssen, beispielsweise bei Schädlingsbefall, läuft es durch unsere eigene Trocknungsanlage. Gerade nach Einführung der CO2-Steuer und besonders angesichts der steigenden Energiekosten im Zuge des Krieges in der Ukraine erwies sich die Entscheidung für die Hackgutheizung als „Jackpot“. Am liebsten würde ich die verbliebene Gasnotheizung auch noch ersetzen. Ich weiß bloß noch nicht wie.“

Mit der Umstellung der Heizungsanlage waren umfangreiche Zusatzmaßnahmen verbunden. So mussten der Heiz- und Lagerraum neu gebaut werden, um den Anforderungen für Heizungsanlagen mit mehr als 50 kW zu entsprechen. Darüber hinaus wurden Verbindungsleitungen für die Fernwärmeversorgung zu den anderen Gebäuden geschaffen. Deren Länge beträgt insgesamt 320 Meter, die Bichler in Eigenleistung mit 300 mm Dämmung frostfrei verlegte. In den Häusern erfolgt die Wärmeabgabe in den Bädern über Fußbodenheizung und in allen übrigen Räumen über konventionelle Heizkörper.

Nach einem guten Betriebsjahr ist Jakob Bichler so begeistert von der Anlage, dass er inzwischen begonnen hat, zu „missionieren“: „Wir Land- und Forstwirte benötigen im Regelfall individuelle Lösungen,“ erklärt er, „laufend muss etwas hinzu gebaut oder anders gelöst werden. Bei Windhager passt es einfach – und das begeistert!“ So sehr, dass Bichler einen Stammtisch für Landwirte ins Leben gerufen hat. Er referiert und berät dort zum Thema Wärme mit Biomasse.

Fazit

„Andere Leute haben Oldtimer als Hobby, bei mir ist es eben die Heizungsanlage“, fasst Technik-Freak Bichler die Begeisterung für seine Windhager-Hackgut-Heizung zusammen. Sie erfüllt seine Ansprüche nach umweltfreundlicher Energie und geringen Betriebskosten mit ihrer ausgeklügelten Anlagentechnik perfekt. Durch die Möglichkeit, das Holz aus eigener Forstbewirtschaftung zu nutzen, ist Bichler so gut wie autark. Sogar die elektrische Hilfsenergie für die Steuerung, die Hackgutförderung und die Pumpentechnik kommt dank Fotovoltaik und Stromspeicher aus eigener Erzeugung. Nicht zuletzt durfte Bichler sich über eine 45-prozentige Förderung seiner Investitionen freuen, denn die Umrüstung von fossiler Energie auf regenerative Energie liegt im Interesse der politisch geforderten Energiewende.

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