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Pellets statt Putin - knackige Slogans reichen nicht

Energie/Nachhaltigkeit Unternehmen Modernisieren

Gastkommentar von Stefan Gubi in der Wiener Zeitung vom 10.11.2022. Die Energiewende ist für die Hersteller von Heizsystemen eine Herkules-Aufgabe. Der Auftrag aus der Politik lautet: Ausstieg aus Öl und Gas, so schnell es geht. Konkret bedeutet das: Alle Haushalte in Österreich müssen bis 2035 "raus aus Öl" und bis 2040 "raus aus Gas". Insgesamt sind dafür 650 Millionen Euro vorgesehen, für die Jahre 2023 bis 2025 sind weitere 1,14 Milliarden Euro eingeplant.­­­­

Die dazugehörigen Förderprogramme bieten verlockende finanzielle Anreize für einen Heizungstausch: Bei "Sauber heizen für alle" übernimmt der Staat für Sozialhilfeempfänger bei einer Neuanschaffung bis zu 100 Prozent der Kosten, bei "Raus aus Öl und Gas" gibt es bis zu 7.500 Euro für einen neuen Ölkessel und bis zu 9.500 Euro für eine neue Gastherme.

Allerdings ist nicht immer alles gut gemacht, was gut gemeint ist. So ergeben sich große Herausforderungen für die gesamte Kette, beginnend bei der Industrie über die Handwerker bis hin zu den Endkunden und einer funktionierenden Brennstoffversorgung. Dazu kommt noch, dass die produzierende Industrie - sprich: die Kesselerzeuger - natürlich ebenfalls von den explodierenden Energiekosten betroffen ist. Hier braucht es dringend sinnvolle Lösungen, um die weltweite Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.

Die politischen Ziele stellen die Kessel- und Wärmepumpenhersteller vor große Herausforderungen. Derzeit sind in Österreich noch ungefähr 1,4 Millionen fossile Wärmeerzeuger in Betrieb. Bis 2035 müssen also eine halbe Million Ölkessel und bis 2040 mehr als 900.000 Gasthermen getauscht und zusammen mit den Neuinstallationen rund 170.000 nachhaltige neue Wärmeerzeuger pro Jahr eingebaut werden. Das Problem dabei: In diesem Jahr werden rund 70.000 nachhaltige Wärmeerzeuger hergestellt - es fehlen also rund 100.000 Kessel pro Jahr. Dazu kommen immer wieder Turbulenzen auf dem Markt, die zukünftige Kunden neuer Heizungssysteme verunsichern, etwa angebliche Preisabsprachen bei Pellets oder die Debatte, ob holzartige Biomasse weiter als erneuerbare Energie gilt oder nicht.

Stefan Gubi ist Geschäftsführer der Windhager Zentralheizung Gruppe.

Diese großen Herausforderungen machen einen Technologie-offenen Ansatz notwendig: Wir brauchen alle Systeme und alle möglichen Brennstoffe! Es braucht einen guten Mix aus Wärmepumpe und Biomasse, damit der Umstieg reibungslos gelingt. Nicht zu vergessen sind aber auch die dafür benötigten Ressourcen im Handwerk: Personal für Kundenberatung, Schulungen, Einbau der Wärmeerzeuger, Wartung etc. Um also die künftige Nachfrage auf dem Markt zu decken, müssen weitere Produktionsstätten gebaut und zusätzliche Kapazitäten bei den Handwerkern geschaffen werden. Dabei ist es aber auch wichtig, dass von politischer Seite klare Statements für einen kompletten Umbau des Energiesystems unter Einbeziehung aller Beteiligten (auch Strom- und Fernwärmelieferanten) kommen. Es entsteht oft der Eindruck, dass einseitig "Pellets pfui und Wärmepumpen hui" sind - was dann für weitere Verunsicherung unter den Konsumenten sorgt.

Jede Kilowattstunde Einsparung und Umwandlung zu erneuerbarer Bereitstellung hilft uns auf dem Weg zur klimafitten Wärmezukunft. Um unsere Klimaziele in den nächsten Jahren zu erreichen, werden alle nachhaltigen Wärmeerzeuger gebraucht!